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Innsbrucker Update Anästhesie und Intensivmedizin

"You can never visit the same place twice. Each time, it's a different story. By the very act of coming back, you wipe out what came before."

Maureen Johnson

 

So auch bei unseren regelmäßigen ICU-Updates, bei denen - trotz dem gleichen Hörsaal und der gleichen Zeit - immer wieder verschiedene Geschichten erzählt werden.

Zur vergangenen 32. Auflage am 16. Oktober 2019 konnte Organisatorin Ao.Univ.-Prof. Dr. Barbara Friesenecker im gut gefüllten Hörsaal zahlreiche Kolleginnen und Kollegen aus nah und fern begrüßen.

  • Den Anfang des Vortragsreigens machte Fr. Prof. Dr. Sonja Fruhwald von der klinischen Abteilung für Herz-, Thorax-, Gefäßchirurgische Anästhesiologie und Intensivmedizin an der Medizinischen Universität mit der Frage, ob es beim Intensivpatienten auch heute noch das Refeeding-Syndrom gibt. Sie bejahte dies sehr klar, ergänzt mit der Feststellung, dass dies nicht in allen Phasen der kritischen Erkrankung auftrete. Eine Studie konnte zeigen, dass 77 % der Intensivpatienten bei > 110 % des errechneten Kalorienziels liegen1. Als wesentliche Risikofaktoren für Überernährung nannte sie besonders kleine oder große Patienten, Kachexie und Adipositas. Bei Letzterer bestünde vor allem das Problem in der Berechnung des Kalorienziels. Sowohl bei Berechnungen mit dem aktuellen oder mit dem idealen Körpergewicht ergäben sich zu hohe oder zu niedrige Zielwerte. Die wohl bekannteste Harris-Benedict-Formel wurde bei gesunden, normalgewichtigen Erwachsenen validiert. Prof. Fruhwald betonte weiters auch „unsichtbare“ Kalorien einzubeziehen. Propofol und Glucose wären hier die wesentlichen Substratlieferanten. und In der folgenden Diskussion stellte sie fest, dass aus ihrer Erfahrung 70 % des errechneten Kalorienziels in der ersten Woche mit dem besten Überleben korreliert.

  • Der Einladung bald nach seiner Berufung sei der neue Direktor der Universitätsklinik für Innere Medizin III - Kardiologie und Angiologie an der Medizinischen Universität Innsbruck, O. Univ.-Prof. Dr. Axel Bauer, wie er eingangs festhielt, sehr gerne gefolgt. In sehr strukturierter Weise führte er die überwiegend anästhesiologische Zuhörerschaft an die Problematik der perioperativen Myokardschädigung heran. Bei 200 Mio. nicht-kardialen Operationen pro Jahr gäbe es 10 Mio. Patienten mit kardialen Komplikationen2. Zur Diagnostik einer myocardial injury after noncardiac surgery (MINS) reicht eine postoperative Troponin-Erhöhung auch ohne klassische klinische Symptomatik oder EKG-Veränderungen3. Obwohl sich in der rezenten OPTIMUS-Studie nur bei etwa 13 % der Patienten ein coronarer Thrombus nachweisen ließ, empfiehlt Prof. Bauer die Indikation einer CAG großzügig zu stellen4. Angesichts möglicher Kontraindikationen für eine duale Plättchenhemmung würde er eine Stentimplantation zurückhaltend indizieren.

  • Den wissenschaftlichen Abschluss bestritt mit dem Leiter des Insitut für Sport-, Alpinmedizin und Gesundheitstourismus Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger, Ao. Univ.- Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger ein renommierter Sauerstoff-Experte. Als solcher konnte er sehr detailliert und pointiert den Nutzen und die Risiken von Hypoxie und Hyperoxie darlegen. In extremen Höhen, wie zum Beispiel am Mount Everest gäbe es nachweisbare Spuren im Gehirn. Kein Wunder bei einem gemessenen paO2 von 19,1 mmHg und einer gemessenen VO2max von etwa 15 ml/kg*min!5 In rezenten Arbeiten konnte die Forschungsgruppe um Prof. Schobersberger zum Beispiel belegen, dass die Atmung von Sauerstoff zwischen zwei Wettkämpfen in der Höhe keinen Nutzen mit sich bringt6. Daraufhin hat der internationale Skiverband FIS Sauerstoff von der Dopingliste gestrichen. Schön wenn Wissenschaft möglichem Doping ein Ende setzt.

Zu den zahlreichen Fragen der Teilnehmer standen die Referenten im Anschluss Antwort und Rede. Dank der Unterstützung der Firma Fresenius, vertreten durch Fr. Johanna Eiter, stand dazu ein ausgezeichnetes Buffet zur Verfügung. Wieder einmal zeigten sich die Teilnehmer von der hohen Qualität der Vorträge begeistert.

Wir freuen uns auf die kommende 33. Auflage des Innsbrucker ICU-Updates im Frühjahr 2020.

 

Dr. Benedikt Treml

18.10.2019

 

Links zur Literatur zum Nachlesen:

1 Nardo Pet al. 2008. Clinical relevance of parenteral nutrition prescription and administration in 200 hospitalized patients: a quality control study. Clin Nutr. 27:858-864.

2 Bartels K et al. 2013. Perioperative organ injury. Anesthesiology. 119:1474-1489.

3 Devereaux PJ et al. 2019. Myocardial injury after non-cardiac surgery: diagnosis and management. Eur Heart J. 16. pii:ehz301.

4 Sheth T et al. 2018. Incidence of thrombosis in perioperative and non-operative myocardial infarction. Br J Anaesth. 120:725-733.

5 Grocott MP et al. 2009. Caudwell Xtreme Everest Research Group. Arterial blood gases and oxygen content in climbers on Mount Everest. N Engl J Med. 360:140-149.

6 Morawetz D et al. 2019. Impact of hyperoxic preconditioning in normobaric hypoxia (3500 m) on balance ability in highly skilled skiers: a randomized, crossover study. Int J Sports Physiol Perform. 14:934-940.

 

Die Übersicht der weiteren vergangene Veranstaltungen finden sie im Archiv.

Organisatorin Ao. Univ.-Prof. Dr. Barbara Friesenecker mit Ao. Univ.- Prof. Dr. Wolfgang Schobersberger